Wer bin ich? 
Ein Spötter und Wortfetischist. Ein großzügiger Knauser. Ein emotionales Stehaufmännchen. Ein Tänzer auf dem Brückengeländer, der nie weiß, auf welche Seite er am Ende springen wird. Eine Frohnatur voller Widersprüche. Ein glücklich Trauernder. Ein pantheistischer Atheist. Der Gott der kleinen Dinge ist mir der Liebste von allen.
Und der vermutlich weltweit einzige Finanzamts-Fan ...
Mein Traumberuf: Reliquienhändler. Leider ist er bereits ausgestorben.
Also schlage ich mich mit den Freiheiten des freien Journalismus herum. Schreibe Lokalberichte über Blutspendeaktionen und goldene Hochzeiten, Broschüren für Werbeagenturen, ellenlange Emails und nebenbei Bücher. Ich schreibe über die Psychologie von Gartenzwergen, die Zucht von Weinbergschnecken und die kommunikative Signalwirkung von Fußmatten. Und ganz oft finden sich in den langweiligsten Themen spannende Geschichten.
Worte sind meine Art, die Welt zu verstehen. Kann ich etwas nicht in Worte fassen, kann ich es nicht fassen. Was Worte angeht, bin ich ein Snob. Vermag es jemand nicht, sich auszudrücken, hinterlässt er meist wenig Eindruck. Leider ...
Ich bin glücklich darüber, dass ich die Zeit habe, sinnlos Zeit zu verplempern.
Ich mag das wichtigtuerische Geräusch sehr kleiner Hunde, die durch geflieste Unterführungen trippeln, und das silberne Klingeln, mit dem Raureif auf gefrorenen Boden fällt.
Ich mag Menschen mit Wortwitz, die Stielblüten und Stillblüten von Stilblüten unterscheiden können.
Ich liebe sinnloses Wissen - etwa, dass Ameisen immer nach rechts umfallen, wenn man sie vergiftet, oder dass der Geruch eines ruhenden Erwachsenen mit definierter Körperhygiene (was immer das sein mag...) einem Olf entspricht. Dinge, die niemand braucht, begeistern mich.
Der mit Abstand nutzloseste und zugleich charmanteste Gegenstand, der je entworfen wurde? Eine Walze zum Glätten von Kafirahmdeckeli. (Wer eine abzugeben hat, soll sich bitte melden, so eine wollte ich schon immer!)
Und ich habe einen Sinn für Ironie, den viele nicht verstehen. Ein Beispiel? In unserem Münster gibt es einen Beichtstuhl (wenig überraschend). Und an dem hängt ein Schild mit der Aufschrift: "Bitte nicht betreten!" Also ICH finde das witzig ... Noch eins? Das Modell für Rodins Skulptur "Der Denker" - Aushängeschild für alle Intellektuellen - war ein mäßig gebildeter Berufsboxer, der vorwiegend im Rotlichtmilieu aufgetreten ist ...

Wer jetzt noch kein Lächeln auf den Stockzähnen hat, ist auf der falschen Seite gelandet.
Ich verabscheue die Kombination von Inkompetenz und Arroganz - vermutlich, weil sie mir selbst nicht fremd ist.
Ich bin weder aggressionsfrei noch kann ich besonders gut warten. Leider... Dafür bin ich zuverlässig. Und pünktlich. Immer.
Ich habe Ecken und Kanten, Abgründe und Höhenflüge, Neurosen und Vorzüge.
Was mich antreibt, sind Neugier auf die Welt, Angst, Begeisterungsfähigkeit, Wut und Lebensfreude gleichermaßen.
Was mich am Leben hält, ist die Fähigkeit, mich an Kleinigkeiten zu freuen, selbst wenn mich die großen Dinge überfordern.
Wie jeder andere Mensch habe ich mehrere Gesichter. Und kaum einer kennt alle - auch ich nicht ...
Nachdem ich die pubertären Schwierigkeiten überstanden habe, habe ich nun Zeit für die Midlife-Crisis. Ich habe "altersbedingte Verschleißerscheinungen der Wirbelgelenke" (erklärte mir kürzlich ein geradezu unverschämt agiler, mindestens zwanzig Jahre älterer Arzt). Mein rechtes Auge ist immer noch kleiner als mein linkes, der ausgeschlagene Backenzahn will nicht mehr nachwachsen, und die ersten Falten machen sich breit.
Werde ich alt? Prima! Dann kann ich mit gutem Gewissen eingefahrene Denkmuster als Lebenserfahrung tarnen und mich dem Altersstarrsinn widmen. Ich glaube, der liegt mir. Und ich darf mit Fug und Recht sechzig fahren, wo achtzig erlaubt ist, und alle anderen Verkehrsteilnehmer zur Verzweiflung bringen. Solange ich mehr Haare auf den Zähnen habe als am Kinn, ist alles im grünen Bereich ...
Heute habe ich einen Partner, der mit Schibrille Zwiebeln schneidet, um nicht weinen zu müssen. Ein Kind mit einer Konsequenz und einem Willen, vor denen sich kein Respekt tief genug verbeugen kann, und die mich an den Rand des Nervenzusammenbruchs treiben können. Eine Mitbewohnerin, die auf strikter Chaostrennung besteht, und die doch ohne weiteres Wort meinen Aschenbecher leert, mir meinen Hemdkragen geraderückt und mir als externes Gehirn zur Verfügung steht. Und einen Bekannten, der ernsthaft versucht, Brieftauben auszusetzen. Ich habe Freunde, die mich auch an Tagen mögen, an denen ich mich nicht leiden kann und die hinter mir stehen, wenn ich ihnen den Rücken zudrehe (und mir von Zeit zu Zeit einen mächtigen Tritt in den Hintern geben, wenn ich diesen mal wieder nicht hochbekomme).
Ich habe begriffen, dass der einzige Trick im Leben darin besteht, seine Zwangsneurosen und Niederlagen zur Kunstform zu erheben.
Ich kann noch immer über die Welt staunen wie die Zweijährige und mich noch mit demselben Eifer über sie aufregen, wie die Fünfzehnjährige. Ich verstehe sie noch immer nicht. Es macht mir nur nichts mehr aus. Ich muss nicht verstehen, um zu lieben.
Genügt das? Vermutlich ist es zu wenig. Vermutlich ist es zu viel. Und wie immer gelingt es mir nicht, zwischen diesen beiden Dingen zu unterscheiden.
To be continued... Claudia